Neue Orte für das Lernen und lebenslange Bildung

 Abb.: Quelle JANIAK + LIPPERT Architekten und Ingenieure

Abb.: Quelle JANIAK + LIPPERT Architekten und Ingenieure

Grundschule Groß Wittensee: Der vorherigen Grundschule in der Dorfstraße – gegründet 1874 – hatte aufgrund von fehlenden Kapazitäten für den ab 2026 vorgeschriebenen Betrieb als Ganztagsschule die Schließung gedroht. Das machte den Neubau erforderlich

NEUBAU STADTBÜCHEREI, NORTORF
Die Stadtbücherei Nortorf im Kreis Rendsburg ist keine reine Bibliothek: Als Anlaufpunkt für ganz Nortorf bietet sie seit ihrer Fertigstellung im Frühjahr 2026 neben dem klassischen Medium Buch auch elektronische Medien an.
Der ebenerdige Bau umfasst 750 m² Nutzfläche und besteht aus zwei zusammengesetzten Baukörpern. Der östliche beinhaltet das Medienzentrum. Auf einer massiven Bodenplatte aus Stahlbeton wurden die Baukörper in Holzrahmenbauweise hergestellt und mit einer hölzernen Dachkonstruktion abgeschlossen. Auf dem nach Süden ausgerichteten Pultdach wurde eine Photovoltaikanlage installiert, und die restlichen Bereiche wurden als begrünte Flachdächer ausgeführt. Für die Fassade wurde eine Holzverkleidung mit Tür- und Fensterelementen als Alukonstruktionen gewählt.
Das Gebäude verfügt im Wesentlichen über drei Funktionsbereiche: Das zentrale, 400 m² große Medienzentrum bietet Raum für ca. 20.000 Bücher und andere Medien nach alter Bibliothekstradition. Hier sind auch diverse Sitzgelegenheiten vorhanden, die allein oder zusammen die Beschäftigung mit Medien vor Ort ermöglichen. Der vom Medienzentrum aus erreichbare Begegnungsraum bietet Platz für bis zu 30 Personen. Hier können sich Gruppen zu geräuschintensiveren Anlässen zusammenfinden, z.B. Lesungen, Schulungen, Vorträge und inklusive Angebote für Menschen aller Altersklassen und Kulturkreise, aber auch zur Nutzung von elektronischen Spielen, Workshops u.v.m.
Der vordere Bereich am Windfang des Haupteingangs bietet ebenfalls Platz für Begegnungen im offenen Kommunikationsbereich bei einem Wasser oder einem Heißgetränk. Der Kommunikationsbereich umfasst mit den aufgeführten Nebenräumen rund 160 m² Fläche und lässt sich durch eine Mobilwand von den restlichen Bereichen abtrennen und steht flexibel möblierbar auch für externe Veranstaltungen zur Verfügung.
Das Gebäude wird CO2-neutral mit einer Luft-Wärme-Pumpe über Fußbodenheizung erwärmt, die mit der Photovoltaik-Anlage samt Speicher elektrisch betrieben werden kann. Der nur geringe Bedarf an Warmwasser und die Beleuchtung werden ebenfalls elektrisch aus dem Photovoltaik-Speicher gedeckt. 
Diese Stadtbücherei der Zukunft hat in Nortorf fast rund um die Uhr geöffnet. Komplett neu an diesem „dritten Ort“, wie derartige Zentren heute genannt werden, sind die Öffnungszeiten. Einerseits finden die Nutzerinnen und Nutzer wie gehabt Zugang in Anwesenheit von Personal aus Fleisch und Blut, andererseits öffnet sich die Tür digital gesteuert (und mit Kameras überwacht) auch spät am Abend und an den Wochenenden.
Die Finanzierung des innovativen Neubaus erfolgte durch verschiedene „Töpfe“. Das Land Schleswig-Holstein steuerte mit 750.000 Euro aus dem Topf der Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes (GAK) den größten Anteil bei. Zusätzliche 200.000 Euro gab der Kreis Rendsburg-Eckernförde aus seinem Klimaschutzfonds dazu, da die neue Stadtbücherei überwiegend aus dem nachwachsenden und CO2-speichernden Rohstoff Holz errichtet wurde. Ein weiterer, 200.000 Euro umfassender Zuschuss kam vom Amt Nortorfer Land hinzu. Dies kann sozusagen als „Auszugsprämie“ für die Stadtbücherei gewertet werden, denn nun steht dem Rathaus im Erdgeschoss eine interessante Fläche für die Amtsverwaltung zur Verfügung. Genutzt werden könnte diese 500 m² umfassende Fläche zum Beispiel für ein Bürgerbüro, das wichtige Dienstleistungen des Amtes an einer Stelle bündelt. In der Folge würden wiederum andere Räume frei, um attraktivere Arbeitsplätze zu schaffen oder bei Bedarf zusätzliche Bedienstete unterzubringen.

NEUBAU GRUNDSCHULE GROSS WITTENSEE
In der Gemeinde Groß Wittensee wurde eine einzügige Schule mit einer angeschlossenen Einfeldsporthalle errichtet. Das Gebäude beinhaltet auf einer Bruttogrundfläche von ca. 2.445 m² und neben der Sporthalle und den Klassenräumen auch eine Mensa mit Ausgabeküche, Fachräume sowie einen Verwaltungstrakt. Der Schulbetrieb wurde Anfang März dieses Jahres aufgenommen. In der Schule werden max. 120 Kinder in den Klassenstufen 1 bis 4 beschult.
Das Thema „Nachhaltiges Bauen“ stand bei dieser Baustelle im Fokus, denn für das Projekt werden die BNB-Stufe Bronze (Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen) sowie das QNG-Siegel (Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude) angestrebt.
Das Bauwerk wurde aus einer Kombination von massivem Mauerwerksbau sowie Holzrahmenbau-Elementen als Holzhybridbau errichtet. Die Dachflächen der Turnhalle sowie ein Teilbereich des Schulbaus bieten Platz für die Photovoltaik-Anlage. Die übrigen Dachflächen wurden mit einer Dachbegrünung versehen.
An das neue Schulgelände schließt ein Baugebiet an, das in zwei Zonen unterteilt wird: Zu einer bestehenden Bebauung hin sollen Einfamilienhäuser entstehen. Dahinter, in einem zweiten, größeren Gebiet, sind Mehrfamilienhäuser geplant. Insgesamt sollen dadurch 60 Wohneinheiten in Groß Wittensee entstehen.

Abb.: Quelle JANIAK + LIPPERT Architekten und Ingenieure

Bibliotheken Schleswig-Holstein, Rendsburg: Ein ehemaliger Kornspeicher erstrahlt in neuem Glanz und ist nun Sitz des Dienstleistungszentrums für schleswig-holsteinische Bibliotheken und Fahrbibliotheken. Zum Rebranding des Verbands gehören ein neuer Name, ein neues Logo und die Farbe Orange

BIBLIOTHEKEN SCHLESWIG-HOLSTEIN, RENDSBURG
Im Speicherviertel Rendsburg wurde ein Lagergebäude umgewidmet und durch umfangreiche Umbau- und Modernisierungsarbeiten zu einem Bürogebäude ertüchtigt. In der Alten Kieler Landstraße 99 befindet sich seit Oktober 2025 nun der Hauptsitz der Bibliotheken Schleswig-Holstein. Dies ist zwar keine „Zentralbibliothek“ im Sinne einer akademischen Hauptbibliothek – Rendsburg ist jedoch der zentrale Verwaltungsknotenpunkt für das gesamte Bibliothekswesen in Schleswig-Holstein und zentraler Dienstleister für alle öffentlichen Bib-liotheken im Land, der die Funktionen Koordination des Leihverkehrs, Beratung und technische Unterstützung ausführt. Zudem ist der Standort Sitz des Landesverbandes Bibliotheken SH e.V. (ehemals Büchereiverein Schleswig-Holstein e.V.). Und auch die Fahrbücherei 2 für den Kreis Rendsburg-Eckernförde hat im Speicherviertel ihren Stützpunkt. Durch die Zusammenlegung der alten Standorte Flensburg und Rendsburg wurde ein modernes Dienstleistungszentrum für die Bibliotheken in Schleswig-Holstein geschaffen, in dem „Ideen noch schneller aufeinandertreffen, die Wege kürzer sind – und der Austausch lebendiger denn je wird“.
Die alte Struktur des Gebäudes ist noch erkennbar. In den 1940er Jahren von den Nationalsozialisten gebaut, wurden die drei großen Häuser jahrzehntelang von der Bundeswehr genutzt. Die Stahlbeton-Skelettkonstruktion ist überaus massiv und besteht aus einem vollunterkellerten Gebäude mit fünf Vollgeschossen und Spitzboden. Neben einer über 1 m starken Kellersohle sind die Pilzkopfdecken für 1.000 kg Nutzlast ausgelegt, und auch der Dachstuhl ist komplett in Stahlbeton ausgeführt.
Eine Immobiliengesellschaft hatte die Gebäude im Jahr 2015 ersteigert und das Gelände „Rendsburger Speicherviertel“ genannt. Während in den zwei anderen Häusern ab 2016 Wohnungen und Büros entstanden, blieb das dritte Gebäude leer. Die Bibliotheken Schleswig-Holstein haben die Immobilie im Jahr 2022 gekauft. Die Kaufsumme schloss die Kosten für die umfangreichen Sanierungs- und Umbauarbeiten ein. Nach der kompletten Entkernung waren die Stahlbetonkonstruktion, die Mauerwerksausfachungen der Außenwände, ein Aufzugsschacht und die nördliche Treppe erhalten geblieben. Der nachfolgende Ausbau einschließlich Bodenaufbauten und Haustechnik erfolgte neubaugleich. Zwischen dicken Betonsäulen des alten Kornspeichers liegen jetzt 67 helle Büroräume und große Flächen für Fortbildungen. Hier finden sich Verwaltung und Lektorat genauso wie medienpädagogische „Labore“ und Räume zum Experimentieren für Kinder und Jugendliche. Die Idee ist, dass sich die örtlichen Bibliotheken mit Gruppen oder Schulklassen an die Bibliotheken SH wenden, um die Räumlichkeiten und die vielfältigen Angebote zu nutzen. Ein 3D-Drucker, ein Flugsimulator und ein Podcast-Studio stehen hier zum Beispiel zur Verfügung. Die Dachgeschossflächen werden überwiegend für Fortbildungen und Veranstaltungen genutzt, und ausreichend Sozial-, Pausen- und Sanitärräume gibt es ebenfalls. Zudem eine kleine Gästewohnung.
„Bibliotheken sind Treffpunkte, Bildungsorte und kulturelle Zentren“, betonte bei der Einweihung der Vorstandsvorsitzende der Bibliotheken SH, Hans-Joachim Grote. Er wies darauf hin, dass hier längst 
nicht mehr allein Bücher und andere Medien ausgeliehen würden. Es werde immer wichtiger, Bibliotheken als Orte demokratischer Kultur zu stärken und Chancen lebenslangen Lernens zu bieten.

Artikel aus:

Landesausgabe Schleswig-Holstein
  • Bauen + Wirtschaft
  • Architektur der Region im Spiegel®

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