Architektur im Wandel
Integration, Nachhaltigkeit und multifunktionale Freiräume als Leitmotive eines zukunftsweisenden Bildungsbaus: Neubau Doppelsporthalle und Schulräume für das Bildnerische Gestalten für das Gymnasium Thun
ERWEITERUNG GYMNASIUM THUN AM STANDORT SCHADAU
Integration, Nachhaltigkeit und multifunktionale Freiräume prägen den Neubau der Doppelsporthalle und der Schulräume für das Bildnerische Gestalten am Gymnasium Thun. Mit diesem Projekt entsteht ein Bildungsbau, der architektonisch wie städtebaulich neue Massstäbe setzt und die aktuellen Anforderungen an Raum, Funktionalität und ökologische Verantwortung in einer klaren, zukunftsweisenden Form beantwortet. Die Geschichte des Projekts beginnt mit der organisatorischen Zusammenführung der Gymnasien Schadau und Seefeld im Jahr 2014. Da die räumliche Trennung bestehen blieb und sich im Seefeld erheblicher Sanierungsbedarf gezeigt hatte, entschied der Kanton Bern 2018, sämtliche Unterrichtsaktivitäten am Standort Schadau zu konzentrieren. Damit wurde die Grundlage für einen attraktiven und wirtschaftlichen Bildungsstandort geschaffen, der allen Klassen ausreichend Platz bietet und die Nutzung der Liegenschaften im Seefeld neu ordnet. Die Erweiterung und Sanierung des Gymnasiums Schadau gliedert sich in zwei zentrale Teilprojekte: Östlich der bestehenden Dreifachsporthalle entsteht eine neue Doppelsporthalle mit Unterrichtsräumen für das Bildnerische Gestalten nach Entwurf von Comamala Ismail Architectes, während das Hauptgebäude nach Plänen von Stirnemann Architekten energetisch saniert und durch Erweiterungsbauten im Osten und Norden ergänzt wird. Die Umsetzung erfolgt etappenweise, sodass der Schulbetrieb weitgehend ungestört fortgeführt werden kann.
Bedeutender Meilenstein in der Bildungsarchitektur des Kantons Bern: Erweiterung und Sanierung des Gymnasiums Schadau in Etappen. Zunächst entstand östlich der bestehenden Dreifachsporthalle eine neue Doppelsporthalle mit Unterrichtsräumen für Bildnerisches Gestalten Abbildungen: Adrien Barakat
SIEGERPROJEKT „KANZEN“ – HOLZPAVILLON IM MENSCHLICHEN MASSSTAB
Das von Comamala Ismail Architectes entworfene Siegerprojekt „Kanzen“ überzeugte im Wettbewerb 2021 durch seine funktionale Integration und gestalterische Klarheit. Die Entwurfsidee basiert auf einer in den Boden versenkten Sporthalle mit einem Obergeschoss, das die Unterrichtsräume für Bildnerisches Gestalten aufnimmt. Konzipiert als leichter Holzpavillon, verleiht der Neubau der Nachbarschaft einen menschlichen Massstab und setzt auf Offenheit und Transparenz. Zur besonderen Atmosphäre des Neubaus tragen auch die Fassaden bei. Sie zeigen eine klare und moderne Formensprache, die durch die Verwendung von Holz und anderen natürlichen Materialien eine warme und einladende Wirkung entfaltet. Die Fassade zeichnet sich durch eine klare Linienführung und ausgewogene Proportionen aus, sodass sich das Gebäude harmonisch in die Umgebung einfügt und einen positiven städtebaulichen Akzent setzt. Das Erdgeschoss ist offen gestaltet und fördert den unmittelbaren Bezug zwischen Innen- und Aussenraum. Räume für Fitness, Tanz, Theorie und Krafttraining sind nahe der Eingangshalle angeordnet, wobei nichttragende Innenwände eine flexible Raumeinteilung ermöglichen. Der Hauptzugang und die Erschliessungszonen orientieren sich zum zentralen Platz hin, grossflächige Verglasungen lassen die Innenräume als Erweiterung des Vorplatzes erscheinen. Über eine zentrale Treppe gelangt man ins Untergeschoss mit Umkleideräumen und der teilweise ins Erdreich eingegrabenen Sporthalle, während ein Verbindungsgang im Süden den direkten Anschluss an die bestehende Sporthalle herstellt. Konstruktiv setzt das Projekt auf eine klare Kombination aus Beton im Untergeschoss und sichtbarem Holzbau im Obergeschoss. Hochisolierte Glasflächen gewährleisten eine optimale Tageslichtversorgung, elektrische Beschattungssysteme sichern den sommerlichen Wärmeschutz. Die Organisation der Räume im Obergeschoss folgt einem zweischichtigen Prinzip entlang der Längsfassaden. Mit dem Minergie-P-Standard und nachhaltiger Haustechnik setzt das Gebäude Massstäbe in Energieeffizienz und ökologischer Verantwortung. Städtebaulich fügt sich das kompakte, zweigeschossige Volumen präzise in die bestehende Struktur ein und nimmt Bezug auf die benachbarte Dreifachhalle. Die moderate Höhe bewahrt den menschlichen Massstab, während die Neuordnung der Zugangs- und Freiraumsituation die Sicherheit und Aufenthaltsqualität verbessert. Der Vorplatz mit Brunnen und Baumdächern lädt zum Verweilen ein und unterstreicht den Anspruch, ein offenes und zukunftsfähiges Bildungszentrum zu schaffen.
FREIRAUMGESTALTUNG BEIM NEUBAU DOPPELSPORTHALLE
Die Gestaltung der Aussenanlagen beim Neubau Doppelsporthalle durch Metron Bern AG ist ein zentrales Element des Projekts. Der begrenzte Freiraum wird durch kluge Nutzungsüberlagerungen maximal ausgenutzt. Ein zentraler Weg unter grossen Bäumen verbindet sämtliche Gebäudezugänge und Freiräume miteinander und bildet das Rückgrat des Areals. Links die bestehende Sporthalle, rechts der multifunktionale Parkplatz, dahinter der kleine Park und die neue Sporthalle – so entsteht ein Ensemble, das Orientierung und Aufenthaltsqualität vereint. Jeder Freiraum erhält einen eigenen Charakter und erfüllt unterschiedliche Funktionen. Der kleine Park dient als Pausenfläche und kann dank versenkter Sitzkreise auch als Freiluft-Klassenzimmer genutzt werden. Die Sportflächen stehen ausserhalb der Schulzeiten der Öffentlichkeit zur Verfügung, der Parkplatz ist so gestaltet, dass er temporär für Spiel und Sport umgewidmet werden kann. Diese Flexibilität fördert eine lebendige Schulkultur. Die Freiraumgestaltung trägt zugleich massgeblich zur ökologischen Nachhaltigkeit bei. Zahlreiche Bäume, der Park und ein grünes Band um das Areal sorgen für Verschattung, Luftqualität und Erholung. Regenwasser versickert direkt auf dem Gelände, und durch den Verzicht auf fast die Hälfte der ursprünglich geforderten Parkplätze entsteht zusätzlicher Raum für Grünflächen. So verbinden sich ökologische Verantwortung und Aufenthaltsqualität.
ABLAUFPLANUNG UND AUSBLICK
Die Bauarbeiten begannen im Mai 2023 und sind in zwei Hauptetappen unterteilt. In der ersten Phase wurden bis Anfang 2025 die neue Doppelsporthalle und der Erweiterungsbau Ost errichtet. In der zweiten Etappe erfolgt seit Mitte 2025 die Sanierung und Erweiterung des Hauptgebäudes nach Norden, inklusive energetischer Modernisierung und Erneuerung der haustechnischen Anlagen. Parallel dazu wird der alte Nordtrakt zurückgebaut und durch einen modernen Neubau ersetzt. Die vollständige Fertigstellung ist für das Frühjahr 2027 vorgesehen, wobei bereits im Februar 2025 erste neue Räume bezogen werden konnten. Mit Gesamtkosten von rund 101 Mio. CHF stellt das Projekt eine substanzielle Investition in die Zukunft der Bildung in Thun dar. Die Konzentration aller gymnasialen und fachmittelschulischen Angebote an einem Standort schafft Synergien, reduziert Betriebskosten und erhöht die Attraktivität für Lernende und Lehrende. Die neuen und modernisierten Räumlichkeiten ermöglichen einen zeitgemässen Unterricht und fördern eine gemeinsame Schulkultur. Die flexible Nutzung der Gebäude und Freiflächen garantiert, dass der Standort auch zukünftigen Anforderungen gewachsen ist.