Umweltverträgliche, zukunftsorientierte Architektur

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Erweiterungsneubau am Campus Degerloch der International School of Stuttgart e.V. (ISS) in Stuttgart / Erweiterungsbau der Grundschule Stuttgart-Stammheim: innovatives Raumkonzept mit experimenteller Holzbauweise / Schulcampus der Franz-Binder-Verbundschule in Neckarsulm: visionärer Ort für gemeinschaftliches Lernen / Quartiersentwicklung St. Johannes-Maria-Vianney mit Kirchenneubau und Wohnungsbau in Stuttgart-Mönchfeld

ERWEITERUNGSNEUBAU CAMPUS DEGERLOCH, INTERNATIONAL SCHOOL OF STUTTGART E.V. (ISS), STUTTGART

Die 1985 gegründete International School of Stuttgart (ISS) ist mit über 800 Schülerinnen und Schülern aus mehr als 45 Ländern ein lebendiges Beispiel für gelebte Internationalität. Widergespiegelt wird diese kosmopolitische Ausrichtung durch die Architektur der Schule: Der Campus Degerloch bietet offene Räume und Flächen, die den interkulturellen Austausch und das gemeinschaftliche Lernen fördern. Die 2024 von a+r Architekten erweiterte Einrichtung unterstreicht das Engagement der Schule für ein zukunftsorientiertes Bildungsumfeld. Der viergeschossige Neubau der International School of Stuttgart (ISS) ergänzt den Campus Degerloch als verbindendes Element zwischen den bestehenden Gebäuden, die 2001 und 2012 ebenfalls von a+r Architekten geplant und realisiert wurden. Während der südliche Gebäudeteil die bestehende Bauflucht aufnimmt, ist der nördliche Abschnitt terrassiert gestaltet und leicht zurückgesetzt: „Dies schafft auf der Ostseite einen einladenden, städtischen Vorplatz, während die Westseite durch Sport- und Pausenflächen ergänzt wird“, erklärt Johannes Weiß, leitender Architekt bei a+r. Die markante Außentreppe unterstreicht diese Gliederung optisch und verbindet die Ebenen. Gleichzeitig dient sie als zweiter Rettungsweg. Der neue Eingangsbereich der Schule im Osten öffnet sich als städtischer Vorplatz zur Umgebung und schafft eine einladende Geste. Der Haupteingang führt direkt in das „neue Herz“ des Campus, das weitläufige Foyer – ein offener Begegnungsraum, der sich als Dreh- und Angelpunkt des Schullebens versteht. Vom Foyer aus gelangt man zu den öffentlichen Bereichen. Eine breite Haupttreppe führt vom Foyer in das 1. Obergeschoss, wo die „Schulstraße“ als barrierefreie Haupterschließung die einzelnen Bauabschnitte miteinander verbindet. Über das Treppenhaus im Süden werden alle Clusterebenen zentral erschlossen. Die gesamte Architektur des Neubaus ist vom Gedanken der Weite geprägt. Transparenz, Offenheit und Sichtbezüge schaffen eine inspirierende Lernumgebung. Auch das Thema Nachhaltigkeit spielt eine wichtige Rolle: Solarzellen versorgen die Klassenräume mit Energie; eine Geothermieanlage ermöglicht ein effizientes Heizen. Die kontrollierte Raumlüftung optimiert das Raumklima und ein geplanter vertikaler Garten verbessert die Klimabilanz. Mit dem Energiestandard KfW55 wird der Energieverbrauch des neuen Gebäudes auf ein Minimum reduziert.

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Erweiterungsneubau am Campus Degerloch der International School of Stuttgart e.V.(ISS), Stuttgart: Die klare Geometrie des Erweiterungsbaus wird durch große Fensterflächen gegliedert, die Transparenz vermitteln und eine helle Lernumgebung schaffen. Eine durchgehende Pergola verbindet Innen- und Außenraum, die breite Außentreppe die verschiedenen Ebenen Abb.: Max Leitner

ERWEITERUNGSBAU GRUNDSCHULE STUTTGART-STAMMHEIM

Schule ist längst nicht mehr nur ein Ort des Lernens, sondern ein wichtiger Lebensraum für Heranwachsende. Architektur wird in dieser Perspektive zum Ermöglicher und Schulbau zum Ausdruck gesellschaftlicher Verantwortung. Schulgebäude sind Orte, die nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch das soziale Gefüge stärken und Raum für Innovation, Kreativität und Gemeinschaft schaffen, wie der Entwurf von a+r Architekten für den Erweiterungsbau der Grundschule in Stuttgart-Stammheim zeigt. Entstanden ist 2023 im Norden Stuttgarts ein geometrisch komplexer, dreigeschossiger Neubau in nachhaltiger Holzbauweise mit 17 Klassenräumen. „Wir haben uns mit der Grundschule Stammheim vorgenommen, Holz sinnvoll und visuell erfahrbar einzusetzen“, betont Architekt Oliver Braun, Mitgeschäftsführer bei a+r Architekten. Aufgrund des gestiegenen Raumbedarfs und der Einführung eines Ganztagsangebotes war ein dritter Bauabschnitt für die Grundschule Stuttgart-Stammheim notwendig geworden. Bauherr und a+r Architekten nahmen sich vor, den Neubau in Holzbauweise zu erstellen. Die größte Herausforderung dabei war, das Bauvolumen so zu gestalten, dass der Ergänzungsbau baurechtlich der Gebäudeklasse 3 zugeordnet wird. Bei einer höheren Gebäudeklasse wären die Anforderungen an den Brandschutz um ein Vielfaches höher geworden. Die damit einhergehende Höhenbeschränkung – die oberste Fußbodenhöhe muss unter 7 m Höhe liegen – ergab, dass sich die jeweiligen Geschosshöhen des dreistöckigen Baus auf 3,50 m beschränken mussten. Um ausreichend lichte Raumhöhen für die Schulräume zu schaffen, durften die Decken mit maximal 30 cm Konstruktionshöhe ausgeführt werden. Möglich war dies für die weit gespannten Decken in den Klassenzimmern – kombiniert mit der nicht orthogonalen Grundgeometrie des Neubaus – nur mit einer Holz-Beton-Verbunddecke (HBV). Um die Tragfähigkeit weiter auszureizen, wurde bei den HBVDecken mit sogenannten Kerven gearbeitet. Diese sind ein geometrischer Formschluss, bei dem in die Holzlage Aussparungen eingearbeitet werden, und die Ortbetondeckung sich dann in den Einkerbungen „verhakt“. Das Gebäude integriert sich östlich des Hauptgebäudes an der Burtenbachstraße in den bestehenden Schulkomplex auf dem ehemaligen Pausenhof. Sein rautenförmiger Grundriss entsteht durch die geometrischen Randbedingungen der Nachbarbebauung und verleiht dem Bau eine weiche Kontur durch seitlich abgeschnittene und abgerundete Ecken. Von außen präsentiert sich der Erweiterungsbau als eine Kombination aus großen Glasflächen und geschlossenen, hellgrauen Holzpartien aus Weißtanne. Im Inneren übernimmt die Treppe die Funktion eines wichtigen räumlichen Gestaltungselements und stellt in ihrer gerundeten Form eine Besonderheit dar. a+r haben mit dem Erweiterungsbau die Aspekte des nachhaltigen Bauens mit einer innovativen und experimentellen Bauweise verbunden und dabei die Balance zwischen Kreativität und Funktionalität gefunden, die sowohl den Bedürfnissen der Schule gerecht wird als auch eine zeitgemäße pädagogische Arbeit unterstützt.

SCHULCAMPUS FRANZ-BINDER-VERBUNDSCHULE, NECKARSULM

Mit ihrem Modellkonzept eröffnet die Franz-Binder-Verbundschule in Neckarsulm neue Perspektiven für Schülerinnen und Schüler. Ihr Modell integriert landesweit zum ersten Mal die Bildungsgänge der Realschule, der Gemeinschaftsschule sowie der Werkrealschule zu einer umfassenden Bildungslandschaft unter einem Dach. Auf diese Weise macht sich die Verbundschule unabhängig von den aktuellen strukturellen und schulpolitischen Veränderungen bzw. kann flexibel darauf reagieren. Für ihre Schülerinnen und Schüler schafft sie darüber hinaus ein zukunftsorientiertes Lernangebot, das sich an deren Bedürfnissen orientiert. Die architektonische Umsetzung der Verbundschule durch a+r Architekten folgt dem Prinzip der Cluster, die Lernbereiche in offenen, flexiblen Räumen organisieren und so die Interaktion und das gemeinschaftliche Lernen unterstützen. Das Lernen in den Clustern fördert die Bewegung, und bewegtes Lernen hilft beim Stressabbau und schafft eine bessere Lernatmosphäre. „In enger und intensiver Zusammenarbeit mit den Pädagoginnen und Pädagogen der Verbundschule“, so betont Florian Gruner, Architekt und Geschäftsführer bei a+r „haben wir das Raumkonzept der Schule stetig verfeinert.“ Dieses Fingerspitzengefühl und Engagement des in Stuttgart und Tübingen ansässigen Architekturbüros ist bei dem Schulgebäude in jedem Raum spürbar. In der neuen Verbundschule, dem größten Bauprojekt Neckarsulms, wurden die beiden bestehenden Gemeinschaftsschulen aus Obereisesheim und Amorbach 2024 mit der örtlichen Werkrealschule vereint und um einen Realschulzweig ergänzt. Seit der Schulgründung im Jahr 2020 war die Schule räumlich auf Interimslösungen angewiesen. Deshalb ist der Schulneubau sowohl für die Schülerinnen und Schüler als auch für die Lehrkräfte ein großer Meilenstein, der ihrer Schulgemeinschaft von künftig etwa 850 Menschen ein Zuhause und eine eigene Identität gibt. Das Bauvolumen der neuen Schule gliedert sich in drei ineinander übergehende Gebäudeteile – das Mensagebäude mit Haupteingang, das Clusterhaus in der Mitte und die Sporthalle. Durch die versetzt angeordneten, in ihrer Höhe gestaffelten Baukörper wird eine optische Gliederung der großen Gebäudemasse erzeugt und es entsteht gleichzeitig eine Abfolge von drei räumlich klar definierten Außenbereichen. Auffallend ist die ruhige, graphitsilbern lasierte Fassade aus gehobelter nordischer Fichte mit klar ablesbaren Stockwerken und vertikalen schmalen Holzbrettern, die sich an der Außenfassade mit breiteren Brettern abwechseln. Durch die besonders hochwertige Ausführung der konstruktiven Details und die effiziente Wärmerückgewinnung der Lüftung liegt der Primärenergiebedarf des Schulgebäudes und der Sporthalle bei unter 65 Prozent des Soll-Wertes. Über die Photovoltaikanlage auf der Dachfläche des Clusterhauses ist der gesamte Strombedarf des Mensa- und des Clustergebäudes sichergestellt. Beheizt werden die Räumlichkeiten der Schule über Fernwärme. Die Sporthalle wird sowohl mit Strom als auch mit Nahwärme des städtischen Biomasseheizkraftwerks versorgt. Aufgrund dieser umfassenden Maßnahmen erfüllt die Verbundschule die hohen Anforderungen der DGNB-Zertifizierung in Gold und des NBBW (Nachhaltiges Bauen Baden-Württemberg). „Es ist großartig, was da entstanden ist in Neckarsulm“, resümiert Schulleiterin Antje David. „Die Räume laden zum Lernen ein und unterstützen Bewegung sowie aktive Teilhabe. Das Gebäude spiegelt wunderbar unsere Offenheit für zeitgemäße Lernkonzepte.“

QUARTIERSENTWICKLUNG ST. JOHANNES-MARIA-VIANNEY MIT KIRCHENNEUBAU UND WOHNUNGSBAU, STUTTGART-MÖNCHFELD

Ein Kirchenneubau ist ein eher seltenes Ereignis geworden. Bei St. Johannes- Maria-Vianney im Stuttgarter Stadtteil Mönchfeld hatte man sich entschieden, die bestehende katholische Kirche aus den 1960er Jahren und die Gemeindegebäude durch Neubauten zu ersetzen – lediglich der vom Kirchengebäude abgerückte Glockenturm blieb als identitätsstiftendes Bauwerk stehen. Dank der im Sommer 2023 abgeschlossenen Neuordnung des gesamten Areals rund um die neue Kirche entstand ein architektonisch hochwertig gestaltetes Quartier, das dem gesamten Stadtteil eine neue Identität verleiht. Die Architektur des Kirchenneubaus, der weiteren Neubebauung und das städtebauliche Konzept stammen vom Büro a+r Architekten. Die neue, viel intimere Kirche ist mit ihren 110 Plätzen an das aktuelle Gemeindeleben angepasst. Auf den freigewordenen Flächen konnten zudem drei schlanke, mehrgeschossige Wohntürme mit einer Klinkerriemchenfassade mit Putzbändern entstehen. Dort befinden sich nun die viel größere Kindertagesstätte mit vier Gruppen, 64 seniorengerechte und größtenteils barrierefreie Wohnungen sowie eine Caritas Station inklusive Stützpunkt für den ambulanten Pflegedienst. „Die Häuser öffnen sich in Richtung Neckartal. Sie sind als durchlässige Bausteine geplant und in der Mitte liegt der neue Quartiersplatz“, erklärt Architekt Alexander Lange, Geschäftsführer a+r Architekten. Und die Wohnungen in den obersten Stockwerken bieten zudem einen famosen Weitblick über die Weinberge, den Max-Eyth-See und das Neckartal. Den kubischen, zweigeschossigen Kirchenneubau mit seinem eingeschossigen Anbau mit pastoralem Büro, Gemeinderäumen und -saal haben a+r Architekten mit einer dunklen Klinkerfassade verkleidet. Er unterstreicht mit seiner Farbgebung seine besondere Stellung im Quartiersgefüge. Eine vorgelagerte Pergola aus Sichtbeton und Klinkerstützen fasst den Kirchenvorplatz. Das Sichtbetonband setzt sich gestalterisch als Attika am Anbau fort und teilt den Kirchenkubus genau in der Mitte. In die Süd-Westfassade ist ein Kreuz aus Glas eingeschnitten, dessen horizontale Linie das Sichtbetonband an dieser Stelle ersetzt. Dieses „Fensterkreuz“ zeichnet im Innenraum zugleich das leuchtende Altarkreuz. Den Innenraum gestalteten a+r Architekten hell, mit weißem Rauputz an den Wänden und einer weiß lasierten, zum Altar hinabgetreppten Holzdecke. Lediglich der Fußboden aus dunklem Hirnholzparkett setzt einen deutlichen Kontrast. Eine sehr bewusst gestaltete Tageslichtführung, mit seitlichen Dachoberlichtern, einem Oberlicht direkt über dem Altar und dem Fensterkreuz, unterstützt den sakralen Charakter der neuen Kirche. Auch die liturgischen Orte in der Kirche, wie Altar, Ambo, Taufstein, Tabernakel, Kredenz, Ewiges Licht und Marienaltar, haben a+r Architekten gestaltet. Zum ersten Mal in der Geschichte der Diözese Rottenburg-Stuttgart konnte der dafür ausgelobte Kunstwettbewerb von Architekten gewonnen werden. Die Transformation von Alt zu Neu war eines der Kernthemen von a+r für den Architekten- wie auch den Kunstwettbewerb.

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